Stoppt die Landflucht!

Das Essen kommt nicht aus dem Supermarkt.

bearbeitet am January 22, 2007, at 07:28 AM, 11659 Aufrufe

Literatur

SauErde (von John Berger)

Es ist nützlich, das politische Tagesgeschäft unserer Opposition gegen die von der Schweizer Landesregierung, den europäischen Kommissionen und der WTO geförderten Landwirtschaftspolitik von Zeit zu Zeit mit grundsätzlicheren Überlegungen zu bereichern. Die ist der Anlass, Ihnen hier den Text - Auszug aus dem Buch SauErde von John Berger – Historisches Nachwort zur Lektüre anzubieten. (Mit freundlicher Genehmigiung © 1982 Carl Hanser Verlag, München – Wien, John Berger, Sau-Erde, Geschichten vom Lande, aus dem Englischen von Jörg Trobitius)

Der Schriftsteller John Berger gehört wohl zu den wichtigsten Denkern unserer Zeit. Er weist in diesem Nachwort auf den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen der Philosophie des Fortschrittes und dem Kreditmechanismus hin. Diesem stellt er die Strategie der bäuerlichen Überlebenskultur entgegen.

Bäuerliches Leben ist ein Leben, das völlig aufs Überleben ausgerichtet ist. Vielleicht ist dies das einzige typische Merkmal, das Bauern überall gemeinsam haben. Ihr Arbeitsgerät, ihre Ernten, ihr Land, ihre Herren mögen verschieden sein, aber ob sie in einer kapitalistischen Gesellschaft arbeiten, in einer feudalen oder in anderen, die sich nicht so leicht definieren lassen, ob sie Reis anbauen in Java, Weizen in Skandinavien oder Mais in Südamerika, worin auch immer die Unterschiede in Klima, Religion und Sozialgeschichte bestehen, überall kann der Stand der Bauern als eine Klasse von Überlebenden definiert werden.(..)''

Man kann heute immer noch sagen, daß die Bauern die Mehrheit in der Welt darstellen. Doch verschleiert diese Tatsache eine andere, bedeutsamere. Zum ersten Mal überhaupt ist es möglich, daß eine Klasse von Überlebenden vielleicht nicht überlebt. In hundert Jahren gibt es vielleicht keine Bauern mehr. In Westeuropa wird es, wenn sich die Pläne, wie von den Wirtschaftsplanern vorgesehen, durchsetzen lassen, in fünfundzwanzig Jahren keine Bauern mehr geben. (..)

Bis vor nicht langer Zeit ist landwirtschaftliche Ökonomie immer eine Ökonomie innerhalb einer Ökonomie gewesen. Es ist diese Tatsache, die sie befähigte, die globalen Umwälzungen der übergreifenden Ökonomie zu überleben - feudale, kapitalistische, sozialistische. Diese Umwälzungen brachten Wandlungen im Modus des Überlebenskampfes des Bauern mit sich, aber die entscheidenden Veränderungen ereigneten sich in den Methoden, mit denen ihm der Überschuß abgepreßt wurde: Frondienst, der Zehnte, Pacht, Steuern, Naturalien, Darlehenszinsen, Produktionsnormen usw.

Anders als alle anderen arbeitenden und ausgebeuteten Klassen hat sich der Bauernstand immer selbst ernährt, und dies hat ihm in bestimmtem Maß eine Sonderstellung als Klasse eingeräumt. (..)

Nehmen wir als Schlüsselbeispiel den viel beschworenen Konservativismus der Landbevölkerung, ihren Widerstand gegenüber Veränderungen; den ganzen Komplex von Einstellungen und Reaktionen, aufgrund dessen die Landbevölkerung oft (aber nicht ohne Ausnahme) als Kraft der Rechten zugerechnet werden kann.

Zunächst müssen wir festhalten, daß eine solche Zurechnung seitens der Städte vorgenommen wird, wobei man einem historischen Szenario folgt, nach dem die Linke in Opposition zur Rechten steht, was aber seinerseits einer Fortschrittskultur angehört. Der Bauer lehnt dieses Szenario ab, und das ist gar nicht so dumm von ihm, denn das Szenar, ob nun die Rechte oder die Linke siegt, sieht sein Verschwinden vor. Seine Lebensbedingungen, das Ausmaß seiner Ausbeutung und seine Leiden mögen verzweifelt sein, aber er kann nicht in Betracht ziehen, daß das verschwindet, was all seinem Wissen Bedeutung verleiht - und das ist genau genommen sein Wille zu überleben...

Der Text von John Berger öffnet Horizonte die manch einem der zahlreichen Schwätzer und Schaumschläger in unseren Gazetten gut tun würden.

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The Meatrix

In diesem Kurzfilm, der in den USA entstanden ist, wird gezeigt, was aus einer Landwirtschaft wird, die nur dem "freien Markt" unterworfen ist. Auch in den USA wehren sich immer mehr Menschen gegen die Industrielandwirtschaft und deren Folgen.

  http://www.themeatrix.com/intl/germany/dub/